Lösungsorientierte Beratung & Therapie

Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie (entwickelt vom amerikanischen Psycho-therapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg) ist eine Form der Gesprächstherapie, die primär das Ziel und den Lösungsprozess fokussiert.

Therapeuten, welche mit dieser Therapieform arbeiten, erachten es als besonders hilfreich, sich auf die Ziele, Ressourcen und auf die Ausnahmen von Problemen ihrer Klienten zu fokussieren. Ausnahmen sind konkrete Zeitfenster, in denen das Problem weniger bis gar nicht auftritt. Solche Ausnahmen sind sozusagen die Schlüssel zur Lösungsfindung. 

Eine intensive Auseinandersetzung in Form von Problemanalysen fällt dabei weg. Die lösungsorientierte Beratung und Therapie hat zum Ziel, die Klienten dabei zu unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu konstruieren. Dies gelingt insbesondere dann, wenn die Klienten ihre Ressourcen und Stärken erkennen und darauf aufbauend den Mut finden, eigene Veränderungsprozesse zu aktivieren. Somit werden dysfunktionale Gedanken, Gefühls- und Handlungsmuster durch funktionale ersetzt. In diesem Therapieansatz wird davon ausgegangen, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen einem Problem und dessen Lösung gibt.

Die klassische lösungsorientierte Kurzzeittherapie (nach Steve de Shazer) beinhaltet, wie es der Name schon sagt, nur wenige (max. 10 - 12) Beratungs- oder Therapiesitzungen. Oftmals erweist sich diese Anzahl Sitzungen als ausreichend, damit die Klienten ihre Beratungs- und Therapieziele erreichen können. Natürlich können zusätzliche Sitzungen hinzugefügt werden, sind diese für den Therapieprozess erforderlich.

Systemische Beratung & Therapie

Die systemische Therapie ist ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren, das in unterschiedlichen Settings (z.B. in der Einzel-, Paar- und Familientherapie) eingesetzt wird. Systemische Therapie basiert auf allgemeinen Systemtheorien, die das Individuum als Teil eines ganzen sozialen (familiären) Systems betrachten. Im Zentrum steht die Wechselwirkung zwischen dem Individuum und seinem sozialen Umfeld. Psychische und psychosomatische Symptome sind somit Ausdruck von zwischenmenschlichen Herausforderungen und psychosozialen Konflikten. Aufgrund dieser Annahmen hat es sich etabliert, nach der Funktion eines Symptoms zu suchen und zu fragen.

 

Ziel systemtherapeutischer Arbeit ist es, Veränderungsprozesse mit Hilfe von zirkulären Fragen in Gang zu bringen. Der systemtherapeutische Blick richtet sich daher auf die Ressourcen und Möglichkeiten des Menschen und seines sozialen Systems und dessen Wechselwirkung. Dabei werden neue Möglichkeitsräume in Form von Lösungen entwickelt. Systemische Therapie baut auf der Grundannahme einer konstruktivistischen Weltanschauung auf. Konkret heisst das, es gibt sie nicht, die eine, objektive Wahrheit. Stattdessen existieren unendlich viele Wahrheiten und Betrachtungsweisen, denn die Wahrheit jedes Einzelnen ist eine subjektiv konstruierte Betrachtung. Und jede Konstruktion hat ihre guten Gründe. Unterschiedliche Betrachtungsweisen beruhen nach diesem Verständnis auf unterschiedlichen Konstruktionen, welche wiederum die Basis individueller guter Gründe darstellen. Diesen "guten Gründen" begegnen systemische Therapeuten mit grossem Respekt und Interesse, da sie viel Lösungspotenzial enthalten.

Kurzzeittherapie

Der Name Kurzzeittherapie ist auf die sehr wenigen Therapiestunden zurückzuführen, welche in der Regel für die gewünschten Veränderungen notwendig sind. Der Zeitraum, in dem diese Beratung- und Therapiesitzungen erfolgen, kann sich - wenn gewünscht und nötig - über einige Monate hinausziehen.

Systemisch-lösungsorientierte Beratung oder Therapie mögen zwar verschiedene Anlässe zu Grunde haben, die Haltung des Therapeuten bleibt jedoch dieselbe. Die Klientinnen und Klienten entscheiden selbst welche Unterstützungsform für sie die passendere ist. Gleichsam bestimmen auch die Klientinnen und Klienten das Ziel der Therapie.

Oftmals (sofern möglich) werden bei einer systemischen Therapie auch Familienangehörige mit eingeladen. Was nicht bedeutet, dass keine Einzeltherapiestunden angeboten werden. Systemisch-lösungsorientierte Beratung oder Therapie fokussiert nicht, wie andere Psychotherapieformen, primär die innenpsychischen Vorgänge einer Klientin, eines Klienten, sondern legt das Augenmerk auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Mittelpunkt des therapeutischen Schaffens stehen somit der Klient, die Klientin und die dazugehörenden sozialen Vernetzungen. Kein Problem entsteht einfach so, es ist immer kontextabhängig.

Systemisch-lösungsorientierte Therapeuten sind in ihrer Haltung neutral. Die Wertung „richtig und falsch“ gibt es in der systemisch-lösungsorientierten Beratung und Therapie nicht. Symptome, Probleme und Defizite werden als misslungene Lösungsversuche für herausfordernde Situationen betrachtet. Es wird nach dem Sinn, der Funktion dieses Symptoms gefragt, um dessen Erscheinung zu verstehen (frei von Wertung). Die Antworten geben Aufschluss über mögliche Lösungsansätze.

Systemisch-lösungsorientierte Therapeuten beschäftigen sich allem voran mit den Stärken und Fähigkeiten (Ressourcen) der Klientin, des Klienten und des ganzen Systems. Fragen wie; „Was gelingt trotz all den Schwierigkeiten, was ist erhaltenswert“ werden gestellt? Diese Therapieform setzt auf die Befähigung des Gegenübers, es ist aktive Hilfe zur Selbsthilfe. Den Rest schaffen die Klientinnen und Klienten aus eigenem innerem Antrieb. Sie erleben sich dabei vermehrt selbstwirksam und lernen auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen, was eine Abhängigkeit gegenüber des Therapeuten vorbeugt.

In der Regel bedarf es nur wenige Sitzungen, um nachhaltige Erfolge zu erzielen. Wissenschaftlich (aus der Psychotherapieforschung und Qualitätssicherung) ist die Wirksamkeit von systemischer Beratung und Therapie unumstritten. Schon drei-vier Sitzungen können ausreichen, um gewünschte Veränderungen herbeizuführen.

 

Literaturhinweise

Schlippe, A. & Schweitzer, J. (2016). Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I. Das Grundlagenwissen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co.

 

Schwing, R. & Fryszer, A. (2015). Systemische Beratung und Familientherapie. Kurz, bündig, alltagstauglich. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co.

 

De Shazer, S. (2010). Wege der erfolgreichen Kurztherapie. Konzepte der Humanwissenschaften (10.Aufl.). Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.

 

De Jong, P. & Berg, I. K. (2012). Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. Band 17 systemische Studien (7. Aufl.). Dortmund:  Verlag modernes lernen.